Johanna von den Driesch PDF Drucken E-Mail

 

In theoretischer hinsicht verstehe ich meine Arbeit als eine Auseinandersetzung mit der Funktion der Kunst zur Repräsentation. Das Darstellen von ideologischen, religiösen oder selbstdarstellenden Inhalten welche eine Herrschaft konstituieren bzw. der Identifikation einer Gruppe dienen war ursprüngliche Funktion der Kunst. Die Personifizierung dieser Funktion ist der Held. Der Held als Vorbild, als Akteur im dramatischen Kampf der Gegensätze und sich widersprechenden wahrheiten, als Figur an welcher sich masstäbe von gut und böse festmachen oder an deren beispiel moralische Werte diskutiert werden.
Mit dem Aufgreifen einer symmetrisch-zentralistischen Komposition habe ich mich in meiner Malerei dem Thema der Repräsentation von Herrschaft und Ideologie in der Kunst angenähert. Dabei interessiert mich die Entstehung von Quasi-Bedeutung und die Darstellung von (quasi-)religiösem Pathos. Inspirierend waren dabei etwa die symbolhafte Darstellung von identitatsstiftenden Merkmalen in Siegeln und Wappen, oder von Sinnsprüchen in Emblemen oder auch romantisch-idealistische Darstellungen von transzendenten Sachverhalten und Prozessen in bestimmter schematischer Form. Der symmetrische, zentrierte Aufbau der Bilder hat mich von der klassischen Malerei weggeführt und mich dazu gebracht, auch Skulptur und Zeichnung in meine Arbeit einzubinden.

Die Frage danach, ob es eine Sinnhaftigkeit gibt oder nicht, kann nur entweder radikal oder garnicht beantwortet werden. Die Unvereinbarkeit von Bedeutung und Bedeutungslosigkeit und von Glauben und Unglauben spaltet die Menschheit und treibt sogar einige entweder in den Opfertod oder in den Selbstmord. Das Psycho-Desaster, dass sich der Zweck des Lebens und des Todes nicht unmittelbar erfüllt und nicht direkt erlebt wird, stellt eine große Herausforderung für den Geist dar und ist wohl ein Grund, warum der Mensch sich eine Kultur erschaffen hat. Ein zentrales Merkmal einer Kultur ist das Aufstellen von Wertmasstäben, welche Orientierung im Leben bieten. Ich möchte das Herausstellen, Versinnbildlichen und Propagieren von Wertmaßstäben untersuchen. Dabei faszinieren mich insbesondere die heldenhaften Werte wie Kämpfergeist, Stolz, Kompromisslosigkeit und Loyalität, sowie ritterliche und religiöse Tugenden wie Demut und Opferbereitschaft.
Figuren, welche uns anleiten und motivieren sind Lehrer, Propheten und Führer. Der Prophet spricht zum Helden und verleiht der Tat den Sinn.In Nietsches „also Sprach Zarathustra“ von tritt ein Prophet auf, er sich zur Umwertung aller werte berufen fühlt, der den Kämpfergeist propagiert und seine Helden zur Überwindung des Menschen aufruft.Ein Möbelstück, von dem aus Sinn verliehen wird, ist die Kanzel.

Auf der Suche nach der Repräsentationsform von kollektivem Gedächtnis und der bildhaften Ausdrucksform von Trauer am Ground Zero in New York habe ich eine Gedenktafel mit den Fotos der 343 Feuerwehrmänner, welche beim Einsatz ums Leben kamen, gefunden. Hier findet das kollektive Gedächtnis seinen Ausdruck in Heldenportraits. Das betrachten dieser Gesichter hat mich dazu gebracht, selber Gesichter zu zeichnen und fiktive Heldenportraits zu erschaffen. Diese monumentalen Gesichter sind von unterschiedlicher Gestalt: teils haben sie einen sehr individuellen Ausdruck, teils sind sie stark stilisiert und nach einer strengen Symmetrie konstruiert.
In einer Installation habe ich diese Gesichter mit Zitaten der “Lehrer, Propheten und Führer”: E.Jünger, Zarathustra und Hitler kombiniert und auf einer Wand mit einander in Korrespondenz treten lassen.

Die Familie, als Hort der Reproduktion, ist die Keimzelle der Gesellschaft. Als solche wurde sie in der Geschichte auf unterschiedliche Weise von verschiedenen Ideologien vereinnahmt. Heute versteht sich die moderne Kleinfamilie vorrangig als privater Raum der Geborgenheit, Intimität und Nähe. In der Familie werden Geschlechtrrollen verteilt, eine Hierarchie verteidigt und eine Moral erprobt. In den Familienportraits überhöhe ich liebevoll die moderne junge deutsche Kleinstfamilie und ihr privates Glück. Für mich sind diese Familien die Helden von heute und sie produzieren die Helden von morgen.

 

vita - Johanna Von Den Driesch

1980 born in Burgsteinfurt, Germany

Lives and works in Berlin, Germany

Education

2000 - 2005 UdK Berlin
2006 Meisterschülerin bei Daniel Richter

Grants

2006 Arbeitsstipendium TowerAteliers
Neuhausen ob Eck/ Tuttlingen
2005 -06 Arbeitsstipendium der
Dorothea Konwiarz - Stiftung Berlin
2005 Erasmus Paris/FR Atelier Alberola
2002 DAAD Sibirien /RUS

Solo Exhibitions

2008 - "Der Wille zur Jacht" Ein Zarathustra-Hitler Komplex
Zentrum Kreuzberg, Kottbusser Tor Berlin
2006 - Galerie der Konwiarz-Stiftung
Schlüterstr. 71, Berlin-Charlottenburg
2005 - "Lug&Trug&Spuk" - Kunstoffice Mitte
Wöhlerstr., Berlin-Mitte
2004 - Kunstraum Weddig, Kultursommer

Group Exhibitions

2007
- "Der ästhetische Vor-Schein"
3 positionen im Ballhaus Ost:
Johanna von den Driesch, Kirsten Blümke und Petra Lottje
Ballshaus Ost, Pappelalle 15, Berlin-Prenzlauer Berg

- "48 Stunden Neukölln"
Gemeinschaftsausstellung Atelier Sonnenallee 90
Berlin-Nekölln
- “Diskowäldchen”
Gruppenausstellung im Short-art-volume-Projekt
zusammen mit: Robert Panzer, Stefanie Schubert, Christoph Knäbich,
Mathias Melchert, Ulrike Nikutowski, und Pablo Fernandez
Neustädtische Kirchstr. 14,
Berlin-Mitte

2006
- Große Malerei-Ausstellung "Transit - Flow"
Stipendiaten der TowerAteliers Neuhausen o.E.
Johannes Rodenacker und Johanna von den Driesch
- "LUXUS II " - neue Malerei aus Berlin
- "LUXUS I - wir sind hier doch nicht in Hollywood!"
Gemeinschaftssausstellung des Ateliers Weisestr. 22,
zusammen mit: Franziska Jordan, Karen Winzer, Kirsten Blümke,
Johannes Rodenacker und Petra Lottje

 

http://www.johannaplus.de